Ein Jurtodome entsteht: Der Bau eines geodätischen Kuppel-Fachwerks

Inhalt

Es gibt Ideen, die sind am Anfang noch völlig harmlos.

Sie tauchen irgendwo im Kopf auf, bleiben kurz stehen und man denkt:
Interessant.

Dann legt man sie wieder weg – Zumindest versucht man das.

Aber manche Ideen gehen nicht mehr weg. Die setzen sich fest. Die kommen beim Arbeiten wieder. Beim Autofahren. Beim Einschlafen. Beim Holz holen. Beim Blick auf eine freie Fläche. Und irgendwann sitzt man morgens im Wohnzimmer, hat Zahlen an eine Tafel geschrieben, starrt auf Winkel, Längen und Dreiecke und merkt:

Okay.

Das wird jetzt wohl ernst😂

So fing mein Jurtodome an.

Die ersten Skizzen und Berechnungen;)

Da ich grundsätzlich eher minimalistisch denke, hat mich diese Bauweise sofort gepackt. Eine Konstruktion, die nicht durch Masse stark wird, sondern durch Form. Durch Dreiecke. Durch Verteilung von Kräften. Durch ein System, das sich gegenseitig trägt.

Das fand ich faszinierend.

Ich empfehle dringend, diese Seite zu konsultieren, bevor ihr irgendwas anfangt. Wenn ihr nicht versteht, was dort zu finden ist, dann holt euch jemanden, der es genau erklären kann – Denn ohne tiefes Verständnis wird es nicht klappen…das kann ich euch aus eigener Erfahrung nur raten;)

Es war anfangs noch mehr Gefühl als fertiger Bauplan.

Auf der Suche nach Plänen im Internet, kommt man unweigerlich an Domerama.com vorbei.

Ursprünglich kam die Idee sogar aus einer ganz anderen Richtung.

Viele Jahre vorher war mein erster Gedanke nicht sofort ein Jurtodome, sondern ein Geodome als Gewächshaus. Eine runde, stabile Konstruktion für den Garten, schön anzusehen und durch die Form natürlich spannend für Pflanzen und Licht.

Aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr hatte ich ein Problem damit.

Ich wollte dieses Holz nicht in eine Konstruktion stecken, die dauerhaft Feuchtigkeit ausgesetzt ist. In einem Gewächshaus hast du immer Nässe, Kondenswasser, hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Dafür war mir das Holz einfach zu schade. Der ganze Aufwand mit Fällen, Sägen, Hobeln, Zuschneiden und den ganzen Verbindungen wäre mir für ein Gewächshaus nicht langlebig genug gewesen.

Also habe ich den Gedanken weitergedreht.

Wenn ich schon so viel Arbeit, eigenes Holz und Herzblut in diese Konstruktion stecke, dann sollte daraus etwas entstehen, das mehr ist als ein Gewächshaus.

Ein richtiger Raum.

Ganz am Anfang hatte mich deswegen auch die Idee einer Jurte sehr gereizt. Dieser runde, einfache Raum, die Nähe zum Zelt, das ursprüngliche Wohnen – das hatte schon etwas sehr Anziehendes für mich.

Aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Eine klassische Jurte ist für unsere klimatischen Bedingungen nur bedingt geeignet. Wir haben hier keine trockene Steppe, sondern viel Feuchtigkeit, kräftige Winde und im Winter eben auch Schneelast. Genau da kam für mich der Gedanke auf, die Atmosphäre einer Jurte mit der Stabilität eines Geodomes zu verbinden.

Also kein reiner Nachbau einer Jurte.

Sondern eine Art Zwischenform.

Rund, gemütlich und ursprünglich wie eine Jurte – aber konstruktiv deutlich stabiler, tragfähiger und besser an unser Klima angepasst. So entstand nach und nach die Idee meines Jurtodomes.

Der historische Hintergrund geodätischer Kuppeln

Die Idee der geodätischen Kuppeln geht wie schon angedeutet auf den amerikanischen Architekten und Ingenieur Richard Buckminster Fuller zurück. In den 1940er Jahren entwickelte Fuller die geodätische Kuppel als eine Antwort auf das Bedürfnis nach stabilen und effizienten Bauwerken. Er orientierte sich dabei an den stabilsten Verbindungen in der Natur, der Molekülgeometrie.

(Ich empfehle auch intensiv nach Geodomen zu googeln…es ist sehr aufschlussreich, was man da findet – und vertieft noch mal das Grundlegende-Wissen, was benötigt wird.)

Diese Kuppeln bestehen aus einer netzartigen Struktur aus Dreiecken, die die Kräfte gleichmäßig verteilen und so eine außergewöhnliche Stabilität und Materialeffizienz gewährleisten – Sturm und Erdbeben sicher.

Fuller sah in diesen Kuppeln eine Möglichkeit, kostengünstigen Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig die Ressourcen unseres Planeten zu schonen.

Der Anfang eines besonderen Projekts

Am 24. August 2021 begann mein Abenteuer.

Zumindest war das einer dieser Tage, an denen aus einer Idee langsam ein echtes Projekt wurde.

Der Plan war, einen Jurtodome zu bauen. Eine modulare, an unser Klima angepasste Wohnstruktur, die das ganze Jahr über nutzbar sein sollte. Nicht als Spielerei. Nicht nur als hübsches Ding im Garten. Sondern als ernst gemeinter Raum.

Ein Raum zum Leben.
Zum Arbeiten.
Zum Träumen.
Zum Ausprobieren.

Und natürlich war es auch eine Herausforderung.

Körperlich sowieso.
Aber vor allem im Kopf.

Denn bevor auch nur ein Balken stand, musste ich mir vorstellen, wie alles später zusammenpasst. Welche Längen gebraucht werden. Welche Winkel. Welche Verbindungspunkte. Welche Reihenfolge. Welche Fehler tödlich wären für das Projekt – und welche man noch auffangen könnte.

Der Druck war größer, als ich vorher gedacht hatte.

Wenn man so etwas aus eigenem Holz, mit eigenem Geld, eigener Zeit und eigener Verantwortung baut, dann ist jeder Schnitt mehr als nur ein Schnitt.

Es war im Grunde ein Spagat zwischen experimentellem Konstruktionsbau und dem Wunsch, am Ende nicht nur ein spannendes Gerüst vor mir zu haben, sondern einen halbwegs fertigen, nutzbaren und bewohnbaren Raum.

Etwas, das nicht nur technisch interessant ist.

Sondern auch wirklich funktioniert.

Der Druck, alles beim ersten Versuch richtig zu machen, war enorm. Ich überprüfte und maß alles doppelt und dreifach, um sicherzustellen, dass die immense Investition am nicht umsonst war – sondern stellte auch sicher, dass ich die Kontrolle über jeden Schritt des Bauprozesses behielt. Das war viel kraft raubender, als ich mir vorgestellt hatte, aber nötig… das heiße trockene Wetter hat noch seins dazu gegeben😅

Der Beginn der Bauarbeiten

Eigentlich hat das schon viel früher angefangen – im Winter im Wald, als wir das Stammholz geschlagen haben;)

Das eigene Holz aus dem Wald aufzuarbeiten ist schon was richtig feines;)

Das war für mich ein ganz wichtiger Teil dieses Projekts.

Das Holz kam nicht einfach anonym aus dem Baumarkt. Es war nicht nur Material mit Preisschild. Es hatte einen Ursprung. Einen Ort. Eine Geschichte.

Ich wusste, wo es gestanden hatte.

Ich hatte es selber gefällt.

Ich hatte gesehen, wie es fiel.
Wie es verladen wurde.
Wie daraus später Bretter und Bohlen wurden.

Nachdem ich das Holz zum Sägewerk gebracht hatte und dort die passenden Bretter und Bohlen daraus geschnitten wurden, holte ich das fertige Gut wieder ab.

Und dann lag es da.

🔥Mein Kuppelholz🥳

Noch sägerau.
Noch roh.
Noch weit entfernt von dem, was es einmal werden sollte.

Aber der Anfang war gemacht.

Ich baute mir meinen Arbeitsplatz auf und begann, Schritt für Schritt eine Routine zu entwickeln. Denn bei so einem Dome macht man viele Arbeitsschritte nicht einmal.

Sondern dutzende Male.

Immer wieder.

Balken abrichten.
Hobeln.
Länge schneiden.
Winkel schneiden.
Verbindungen vorbereiten.
Bohrlöcher markieren.
Kontrollieren.
Noch mal kontrollieren.

Zuallererst die sägerauen Holzbalken abrichten und hobeln. Dann alles mit der Kappsäge in die richtige Länge und den passenden Winkel bringen

Schön vorsichtig, bloß keine Finger verlieren😅

Zu aller erst die sägerauen Holzbalken Abrichten/Hobeln
Dann alles mit der Kappsäge in die richtige Länge und Winkel bringen
Schön vorsichtig, bloß keine Finger verlieren😅
Die Hub/Kreuz-Verbindungen aus Aluminium-Rohr schneiden
Schablonen anfertigen und Bohrlöcher damit einzeichnen

Wenn man bei einem normalen Bauprojekt mal ein Teil ein bisschen anpasst, ist das oft noch zu retten. Aber bei einer geodätischen Kuppel hängt alles miteinander zusammen. Ein kleiner Fehler kann sich später durch die ganze Struktur ziehen.

Also brauchte ich Routinen.

Nicht hektisch werden.

Nicht nebenbei irgendwas machen.

Nicht „passt schon“ sagen, wenn es nicht wirklich passt.

Gerade bei den vielen Wiederholungen liegt die Gefahr darin, dass man irgendwann zu sicher wird. Man denkt, man kann es im Schlaf. Und genau dann macht man den Fehler.

Also langsam.

Sauber.

Mit Respekt vor dem Material.

Und mit Respekt vor der eigenen Hand am Sägeblatt😅

Fortschritte und Herausforderungen

Am 28. Mai 2022 begannen wir mit dem Aufbau des Geodomes und der Plattform, auf der er stehen sollte.

Ja, ich weiß keine Schutzkleidung😂…Augen zu kneifen und die Arme richtig anspannen😬
Stahlbeton Punkt-Fundamente waren der Anfang.
Sternförmige Unterkonstruktion.

Das war ein besonderer Moment.

Denn bis dahin war vieles nur vorbereitet. Holzstapel. Einzelteile. Zahlen. Schablonen. Aluminiumverbindungen. Schrauben. Gedanken.

Aber jetzt sollte zum ersten Mal sichtbar werden, ob das Ganze wirklich funktioniert.

Wenn die erste Reihe steht, passiert etwas Komisches.

Man sieht noch nicht den fertigen Dome.

Aber man spürt ihn plötzlich.

Vorher war alles Theorie. Einzelteile. Arbeitsschritte. Vorbereitung. Und dann liegt da dieser Kreis, diese erste Ebene, und man merkt: Jetzt kommt etwas in die Welt.

Etwas, das vorher nur in meinem Kopf existiert hat.

Das ist ein Gefühl, das ich schwer beschreiben kann.

Es ist Freude.
Aber auch Anspannung.
Stolz.
Aber auch Angst, dass irgendwo ein Denkfehler drinsteckt.

Ein Kreis wird ausgelegt und die erste Etage vorgerichtet.
Die Holzschrauben, über Kreuz in die Stirnseite geschraubt.
Eine Hub/Kreuz-Verbindung aus Aluminium-Rohr.
Die erste Reihe steht…;)
Die erste Testplatzierung des Doms auf der Unterkonstruktion 
Douglasien-Holz Bodenplatte mit Dämmung
Mit eingebautem Türrahmen und Fensterrahmen 

Am 30. Mai 2022 war der Rahmen des Geodomes zu 90% fertiggestellt. Die Struktur beeindruckte bereits mit ihrer ästhetischen Anziehungskraft. Geodätische Kuppeln sind nicht nur funktional, sondern auch visuell faszinierend. Ihre geometrische Schönheit zieht die Blicke auf sich und lädt dazu ein, die Details zu erkunden.

Die Magie des Aufbaus

Am 20. September 2022 nutzten wir einen der letzten warmen Tage, um das Baumwolltuch um die Struktur zu spannen. Dabei entdeckte ich eine überraschende Akustik innerhalb des Domes, die dem Raum eine besondere Atmosphäre verlieh. Der Dome, gefertigt aus schönem Douglasienholz, entwickelte sich von einem einfachen Bauprojekt zu einem kunstvollen Werkstück. Vom Fällen der Bäume bis zur Fertigstellung begleitete uns das Holz und erzählte seine eigene Geschichte.

Das Arbeiten mit dem diesem Holz war ein besonderes Erlebnis. Die Bearbeitung der Douglasienstämme, das Sägen und Schleifen bis hin zur Montage der einzelnen Elemente – für mich eine wahre Freude. Das Holz strahlte eine natürliche Wärme aus und verlieh dem Dome eine einzigartige Ästhetik. Das hat man gerade in diesem Bauabschnitt sehr gut fühlen und spüren können.

Ich liebe Hängematten…;)…du auch?! – dann drück mal hier drauf: HÄNGEMATTE

Wir konnten uns sogar innen mit mehreren Hängematten hinein hängen, darin schaukeln und hüpfen – die Konstruktion hat dem einwandfrei stand gehalten, ohne sich zu verformen oder in sich zu schwingen. Das war ein beeindruckender Moment – mit eigenen Augen zu sehen, wie extrem stabil diese filigran und leicht wirkende Konstruktion eigentlich ist.

Die letzten Schritte und die Vollendung

Ende September 2022 näherten wir uns der Fertigstellung. Am 29. September war der Jurtodome zu 95 % abgeschlossen. Es war überwältigend, das fast fertige Konstrukt zu sehen, besonders nach all den Jahren, in denen ich von diesem Projekt geträumt hatte.

Etwas zu erschaffen, was vorher einzig und allein in meinem Kopf existierte, ist für mich immer noch eines der schönsten Dinge, um meine Lebenszeit zu verbringen…

Die Hülle des Domes besteht aus mehreren Schichten: Baumwolltuch, Dampfbremse, Holzfaserdämmung und LKW-Plane. Ursprünglich hatte ich geplant, Heuquader als Dämmmaterial zu verwenden, doch aufgrund von Verfügbarkeitsproblemen mussten wir auf Holzfaser zurückgreifen…sehr kostspielig kann ich nur sagen und würde ich so nicht nochmal machen.

Innen Lining, Dampfbremse, Holzfaserdämmung und LKW Plane 
Der magische Innenraum Blick zum Fenster
Großer luftiger Raum, optisch und akustisch faszinierend 

Die Bauphase war für mich körperlich und geistig sehr anstrengend und fordernd. Der Erfolgsdruck war hoch, denn die Investitionen sollten nicht umsonst gewesen sein. Ich wollte so wenig Fehler wie möglich machen. Oft habe ich mir bis tief in die Nacht den Kopf zerbrochen, um optimale Lösungen zu finden, die das Vorhaben zu einem Erfolg machen würden…etwas Glück und viel Hilfe von Freunden und Familie war natürlich auch dabei;)

Ein Geodome im Permakultur-Garten

Fazit

Der Bau eines Jurtodomes war mehr als nur ein Bauprojekt.

Es war eine Reise.

Durch Idee und Wirklichkeit.
Durch Handwerk und Geometrie.
Durch Wald, Sägewerk, Werkstatt und Baustelle.
Durch Zweifel, Hitze, Schweiß und diese kleinen Momente, in denen plötzlich alles Sinn ergibt.

Es hat mich persönlich an Grenzen gebracht.

Körperlich.
Geistig.
Und manchmal auch nervlich.

Aber jetzt, mit der Erfahrung, wie es wirklich geht, würde ich tatsächlich noch einmal einen bauen.

Nicht genau so.

Aber ja.

Ich würde es noch einmal tun.

Jurtodome 2.0 sozusagen;)

Mit einigen Änderungen. Mit mehr Wissen. Mit anderen Materialien an manchen Stellen. Mit weniger unnötigem Druck vielleicht. Aber der Grundgedanke würde bleiben.

Denn diese Konstruktion hat etwas.

Geodätische Kuppeln sind für mich nicht nur technische Bauformen. Sie zeigen, dass Stabilität nicht immer schwer sein muss. Dass Schönheit aus Struktur entstehen kann. Dass ein Raum auch dann stark sein kann, wenn er leicht wirkt.

Und die Verbindung mit der Jurtenidee macht daraus noch einmal etwas Eigenes.

Nicht ganz Haus.
Nicht ganz Zelt.
Nicht ganz Hütte.

Sondern ein lebendiger Zwischenraum.

Ein Ort, der zum Träumen, Leben und Arbeiten einlädt.

Für mich ist dieser Jurtodome ein Zeugnis dafür, was entstehen kann, wenn man einer Idee lange genug folgt. Wenn man nicht wartet, bis alles perfekt ist. Wenn man anfängt, obwohl man noch nicht jede Antwort kennt.

Man zeichnet.

Rechnet.

Schneidet.

Schraubt.

Zweifelt.

Macht weiter.

Und irgendwann steht man in einem Raum, den es vorher nicht gab.

Vielleicht ist genau das einer der schönsten Punkte am Selbermachen:

Man nimmt etwas aus der Vorstellung und zwingt es nicht in die Welt, sondern arbeitet es langsam heraus.

Aus Holz.
Aus Zeit.
Aus Fehlern.
Aus Hilfe.
Aus Geduld.
Aus Händen.

Und am Ende steht da nicht nur ein Dome.

Da steht ein Stück eigener Weg.

Ein sichtbarer Beweis dafür, dass eine Idee Wirklichkeit werden kann, wenn man bereit ist, sie ernst zu nehmen.

Nicht nur im Kopf.

Sondern mit dem ganzen Körper.

Mit Werkzeug in der Hand.
Mit Staub auf der Kleidung.
Mit müden Armen.
Und mit diesem stillen Glück, wenn man davorsteht und denkt:

Ja.

Das habe ich wirklich gebaut.

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